Thomas Euler bleibt weiterhin Ortsvorsteher von Allendorf/Lahn

In der konstituierenden Sitzung des am 14. März 2021 gewählten Ortsbeirates am 4. Mai 2021 in der Allendorfer Sport- und Kulturhalle wurde der langjährige Ortsvorsteher Thomas Euler (SPD) zum fünften Mal wiedergewählt. Er übt dieses Amt bereits seit 1997 und damit über 24 Jahren aus. Altersvorsitzende Marion Viehmann (FW), die die Wahl leitete, wünschte dem "Dorfbürgermeister" weiterhin eine so hervorragende Arbeit. Thomas Euler, der von dem SPD-Fraktionsvorsitzenden  Tobias Blöcher vorgeschlagen worden ist, wurde einstimmig gewählt, lediglich die beiden Christdemokraten enthielten sich der Stimme. Die SPD-Fraktion mit Tobias Blöcher, Christian Schneider, Dr. Katrin Richter und Thomas Euler ist die stärkste Fraktion. Die zweitstärkste Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, stellt nun den stellvertretenden Ortsvorsteher Volker Arnold, der ebenfalls von Tobias Blöcher vorgeschlagen wurde. 

Nach seiner Wahl bedankte ich Thomas Euler mit folgender Antrittsrede: 

"Liebe Kolleginnen und Kollegen des neuen Ortsbeirates,
ich danke Euch dafür, dass Ihr mir durch Eure Wahl für fünf weitere Jahre wieder Euer Vertrauen geschenkt habt und mich – mittlerweile zum sechsten Mal zum Ortsvorsteher des ältesten und schönsten Gießener Stadtteils Allendorf an der Lahn, gewählt habt.Seit 24 Jahren über ich nun dieses schöne Amt als Repräsentant Allendorfs aus.
Gemeinsam habe ich dabei mit den Ortsbeiratskolleginnen und -kollegen der letzten fünf Legislaturperioden vieles bewegen können.
Ideologisch geprägte Debatten und Kampfabstimmungen waren die Seltenheit. Meistens fassten wir einstimmige Beschlüsse, wobei vorgelegte Initiative in der Diskussion durch Änderungsanträge oder Vorschläge sogar noch verbessert und dann von allen mitgetragen wurden. Die meisten Ortsbeiratsbeschlüsse sind durch die Stadt umgesetzt oder zumindest beantwortet worden, einige weitreichende und nachhaltige Initiativen des Ortsbeirates aber gingen leider auch in der städtischen Bürokratie unter. Hierzu sage ich später noch etwas.
Ich danke aber auch den Bürgerinnen und Bürgern von Allendorf/Lahn für ihr deutliches Votum für den Ortsbeirat bei den Kommunalwahlen am 14. März 2021:
So habe ich von den 966 Wählerinnen und Wählern insgesamt 1.029 Stimmen erhalten.  Und weil ich damit - ebenso wie bei allen bisherigen Ortsbeiratswahlen mit dem Kumulieren und Panaschieren seit 2001 – immer mehr Stimmen als Wähler erhalten habe – und dieses als Einziger sogar gießenweit – kann ich weiterhin stolz behaupten, dass mich statistisch gesehen alle Allendorfer gewählt haben.
Und so möchte ich auch weiterhin Ortsvorsteher aller Allendorfer sein. Auch wenn es 2017 und 2018 im Ort Unstimmigkeiten wegen des Projektes „Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren“ gab und dabei sehr unschöne Behauptungen und Anschuldigungen kursierten, möchte ich die Hand ausstecken und stehe – mit Euch gemeinsam – für Gespräche und Diskussionen bereit. Ich bin stolz darauf, dem Allendorfer Ortsbeirat vorstehen zu dürfen, denn dieser Ortsbeirat ist ein Initiativ-Gremium, in dem Ideen entwickelt und an die Stadt weiter gegeben werden.Wir sind kein „Reaktions-Ortsbeirat“, der nur darauf wartet, dass die Stadt etwas macht und den Vorschlägen dann nur kritisch begegnet wird.

Nach 24 Jahren möchte ich auch für mich eine persönliche Standortbestimmung definieren: Wer bin ich in meinem politischen Wirken? Wo komme ich her und wo will ich hin?

Als ich 1985 – vor 36 Jahren – als 21-Jähriger beim Backhausfest in die SPD eingetreten bin, wollte ich etwas für unser Dorf bewegen. Da hatte ich große Vorbilder wie Helmut Schmidt und Willy Brandt vor Augen.  Schließlich konnte ich durch die Politik Willy Brandts - aus einer Arbeiterfamilie stammend (mein Vater war Maurer, meine Mutter Hausfrau und Mutter von vier Kindern) - Abitur machen, sogar studieren und bin heute Beamter des höheren Dienstes. Dafür bin ich sehr dankbar und durch mein ehrenamtliches Engagement für das Gemeinwesen möchte ich dafür etwas zurückgeben. Aber auch auf örtlicher Ebene hatte ich mit Erhard Hoffmann, Siemer Oppermann, Friedel Henkelmann und Hans Wagner Vorbilder.
Im Allendorfer Fanfarenzug – dem späteren Musikverein - war ich schon 1974 als Kind aktives Mitglied und später im Vorstand tätig. In der Vorstandsarbeit lernte ich Demokratie und das Bewusstsein, mich auch für andere Angelegenheiten zu engagieren. Ich wollte nicht nur meckern, sondern anpacken, und ich hatte noch die schlimmen Hochwasser von 1981 und 1984 in klarer Erinnerung. Dagegen wollte ich etwas tun und ich wollte dann auch unser Dorf mitgestalten und fortentwickeln, aber nicht umgestalten, denn es war damals schon schön hier. Nie hätte ich damals gedacht, dass ich bereits 1986 in die Vorstandsarbeit meiner Partei eingebunden werde, und dass ich drei Jahre später 1989 – von Listenplatz 7 aus – noch in den Ortsbeirat nachrücke. Seit über 31 Jahre übe ich damit nun ein kommunalpolitisches Mandat aus, davon vier Jahre als Stadtverordneter, über 27 Jahre im Ortsbeirat und – wie gesagt - bereits 24 Jahre als Ortsvorsteher - mittlerweile länger als mein damaliger Vorgänger und langjähriger Ortsvorsteher Erhard Hoffmann mit 17 ½ Jahren und länger als die Amtszeit von Bürgermeister Otto Volk mit 23 ½ Jahren. In dieser Zeit meiner kommunalpolitischen Arbeit habe ich sehr viele Menschen kennengelernt: in der Kommunalpolitik, und den Vereinen und Verbänden, in der Verwaltung und natürlich die Bürgerinnen und Bürger mit all ihren Anliegen und ihrem Engagement. Diese haben mich gelehrt, Problembewusstsein auch für diejenigen Themenfelder zu entwickeln, in denen ich mich bislang nicht so gut auskannte. Auch dafür bin ich sehr dankbar, denn ich profitiere davon. Ich bin mir dessen bewusst, dass wir hier vor Ort einiges anstoßen können, dass wir versuchen, Schlechtes von unserem Ort abzuwenden, und dass wir hier im Kleinen für alle alles besser machen wollen und können, sofern man auf uns hört, schließlich ist der Ortsbeirat nur ein beratendes Organ. Im Kleinen müssen wir anfangen um große Ziele zu erreichen! Unser Wirken muss über den Tellerrand hinaus betrachtet werden. Die Pandemiekrise – die hoffentlich bald überwunden sein wird – vor allem aber die Klimakrise kann man nur bewältigen, wenn wir alle ganzheitlich denken und handeln. Im Kleinen wie im Großen.
Und so bin ich auch schon ein Stück weit frustriert, dass nachhaltige Ideen und Beschlüsse von uns, wie

  • Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel der Sport- und Kulturhalle,
  • dezentrale Ladestellen für Elektroautos auch hier im Ort,
  • unsere Aufforstungsinitiative für die Allendorfer Gemarkung,
  • aber auch die beschlossene Wildblumenwiese auf dem Allendorfer Aussichtsgipfel

entweder im bürokratischen Dschungel nur zögerlich vorangehen oder gar untergingen, oder schlichtweg zerredet wurden.

Da ist in der Zusammenarbeit in der Stadt noch Verbesserungspotential nach oben. Wie gesagt: Wir sind ein initiativer Ortsbeirat und wir wollen auch vor Ort, dass unsere Stadt und unser Land die Klimaziele erreicht. Wir möchten nicht warten, bis die Stadt uns etwas vorgibt, wir wollen dabei selbst aktiv werden. Im Bewusstsein aller Handlungsansätze, die ich bislang kennenlernen dürfte und die für die heutige Zeit wichtig sind, fühle ich mich als ein Europäer mit deutschem Pass, hessischer Prägung, mit Wohnsitz in Gießen und mit einem großen Herz für seine Heimat Allendorf/Lahn.

Politisch gesehen fühle ich mit als nach wie als ein überzeugter Sozialdemokrat, der für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit eintritt, der mit beiden Füßen auf dem Boden steht, traditions- und geschichtsbewusst ist, der dabei Gutes erhalten möchte  - insofern bin ich auch konservativ – und der das Gemeinwesen zukunftsorientiert und nachhaltig weiterentwickeln möchte, wobei der Natur- und Klimaschutz für mich eine sehr wichtige Rolle spielen. Insoweit habe ich auch einen „grünen“ Anstrich. Wir wollen unseren Kindern und Enkeln eine schöne Welt, ein schönes Europa, ein schönes Deutschland und Hessen, einen schönen Landkreis und eine schöne Stadt Gießen, aber auch ein schönes Allendorf/Lahn übergeben.

Deswegen möchte ich gemeinsam mit Euch – dem Ortsbeirat, den Vereinen und den Bürgerinnen und Bürgern – unser Dorf zukunftsorientiert weiterentwickeln und dabei Gutes erhalten. Ich bin froh, dass wir in dieser nun beginnenden Legislaturperiode mit so vielen jungen Mandatsträger/innen wie noch nie heute schon in die Zukunft der politischen Arbeit vor Ort eintreten. Unser Allendorf/Lahn ist bereits sehr liebens- und lebenswert. Wir wollen gemeinsam dies erhalten und - wo es geht - sogar noch besser machen - mit Blick auf nachhaltige Antworten auf zukunftsorientierte Fragen. Dazu möchte ich auch mein großes Netzwerk in der Politik, der Verwaltung, den Vereinen und der Bürgerschaft mit einbringen und Eure Kompetenz und Euer Engagement nutzen.

Liebe Ortsbeiratsmitglieder!
Wir stehen in dieser Legislaturperiode vor einigen Herausforderungen:

  • das 1250-jährige Jubiläum im Jahr 2024, zudem wir zeitnah die Weichen stellen müssen für ein Büchlein und die Organisation von würdigen Veranstaltungen,
  • die Erweiterung des Kinderbetreuung in Schule und Kindergarten
  • hierzu steht für eine weitere Kindertagesstätte heute ein Grundstücksgeschäft auf der Tagesordnung,
  • hierzu ist – wie in der letzten Sitzung der vergangenen Legislaturperiode im Schulentwicklungsplan vorgestellt wurde – die deutliche Erweiterung der Unterrichtsräume erforderlich,
  • die Fertigstellung und das Beziehen des Projektes „Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren“,
  • die Fertigstellung weiterer Einfamilienhäuser und damit die Integration der Neubürger/innen,
  • eine vernünftige Verkehrslenkung und die Sicherstellung des öffentlichen Personennahverkehrs,
  • das Anlegen einer Wildblumenweise als Bienenweide auf dem eingezäunten Bereich des Allendorfer Aussichtsgipfels.

Das alles werden wir alles gemeinsam bewältigen. Da bin ich mir sicher.
Ich freue mich auf ein gemeinsames Arbeiten mit Euch in den nächsten fünf Jahren.
Auf eine gute Zusammenarbeit!"