Projekt "Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren" auf der Zielgeraden

Am 18. Dezember 2020 fand unter Beachtung der coronabedingten Kontaktbeschränkungen ein Pressetermin in den Projekthäusern in der Aubach statt, an der Oberbürgermeister Dietlind Grabe-Bolz, Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, Projektentwicklunger Daniel Beitlich und Ortsvorsteher Thomas Euler teilnahmen. Das Projekt "Quartierbezogens Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren" befindet sich auf der Ziellgeraden. Ortsvorsteher Euler erläuterte das Projekt von der Idee bis zur Umsetzung, das mit 3 einstimmigen Ortsbeiratsbeschlüssen begleitet wurde und dessen Realisierung sehr transparent war. Oberbürgermeistern Grabe-Bolz lobte das Projekt, weil hier auch 12 barrierefreie Wohungen für den sozialen Wohnungsbau geschaffen wurden und das Gemeinschaftshaus keine Selbstverständlichkeit war. Sie lobte auch das Rückgrat, dass die örtlich Handelnden gerade vor dem Hintergrund der unsachlichen persönlichen Angriffe bewiesen hatten. Stadträtin Gerda Weigel-Greilich lobte die rasche Umsetzung und betonte die ökologischen Vorteile und auch den Standort inmitten des Dorfes. Projektentwickler Beitlich bezeichnet das Projekt als Prestigeprojekt und kritisierte die unsachlichen Protestaktionen. 

Chronologie zum Projekt:

Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren

  • Initiative der Allendorfer SPD vom Sommer 2016
  • Antrag SPD-Fraktion vom 16. August 2016 und einstimmiger Beschluss vom Ortsbeirat vom 30. August 2016

„Der Magistrat wird gebeten, im Stadtteil Allendorf/Lahn für eine quartierbezogene Seniorenwohnanlage mit barrierefreien Wohnungen Baurecht zu schaffen und zwar für ein oder mehrere Grundstücke im Neubaugebiet ‚Ehrsamer Weg‘ oder andere geeignete Flächen (wie z.B. in der Straße Aubach ggü. Wohnbausiedlung).“

Dabei wurde gedacht an:
- Senior/innen in alten engen kleinen Bauernhäusern (beschwerliches Verlassen von Zimmern, schwellen, Halbstöcke, Badezimmer zu klein, Treppenhäuser zu eng)
- Senior/innen in großen Häusern, in denen früher Großfamilien wohnten, jetzt aber nur noch 2 Räume bewohnt werden und der Rest leer steht,
- Senior/innen, denen ihr Haus und ihr Grundstück im Alter einfach zu groß geworden ist, sie schaffen nicht mehr die notwendigen Arbeiten

  • In Allendorf/Lahn wohnen bleiben zu können heißt:
    • Über die Jahre aufgebaute Sozialkontakte (Familie, Nachbarn, Freunde) weiter aufrecht erhalten zu können
    • weiterhin in gewohnter Umgebung
    • Vorzüge des Dorfes nutzen
  • In Allendorf/Lahn gibt es bislang solche barrierearmen Wohnmöglichkeiten nicht. Wegziehen bedeutet „Verpflanzen alter Bäume“.
  • Nie geplant waren: Altenheim oder Pflegeheim. Es ging immer nur um barrierefreien Wohnraum!
  • Informationsveranstaltung der SPD als Podiumsdiskussion am 17. November 2016
    • Podium:
      • Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz
      • Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich
      • Holger Claes (Vors. Seniorenbeirat, Diakonisches Werk)
      • Reinhard Thies (Geschäftsführer Wohnbau)
      • Stadtrat Wolfgang Sahmland (Aufsichtsrat Wohnbau)
      • Jens Dapper (Geschäftsführer AWO) – örtlicher Pflegeverein sagte ab
      • Daniel Beitlich (Geschäftsführer Revikon) – ein weiterer möglicher privater Investor (Fa. Depant – Uwe Hess) sagte kurzfristig ab
      • Ortsbeiratsmitglied Tobias Blöcher und Ortsvorsteher Thomas Euler
    • Ergebnisse dieser Podiumsveranstaltung:
      • AWO will das Projekt nicht stemmen (zu klein und nicht rentabel) – bietet aber alle seniorengerechten Dienstleistungen (z.B. über Heinrich-Albertz-Haus in Kleinlinden) an
      • Seniorenbeirat begrüßt das Projekt, weil Wohlraumversorgungskonzept dies auch in den Quartieren (also auch in den Stadtteilen vorsieht)
      • Wohnbau könnte dies tun, hat aber zurzeit sehr viele andere „Baustellen“ und eine Realisierung würde lange dauern – außerdem hätte man da nur wenigen Allendorfern geholfen und Senioren „importiert“
      • Privater Investor: könnte sich dieses durchaus vorstellen
      • Ideal: Mischung aus sozialem Wohnungsbau, Mietobjekten und Eigentumswohnungen mit Gemeinschaftsraum (bei dem auch ein Dorfladen möglich sein könnte)
      • Weiterer Personenkreis wurde andiskutiert, nämlich Senior/innen von woanders, deren Kinder und Enkel in Allendorf/Lahn leben.
      • Über 80 Interessierte Teilnehmer/innen
  • Flächendeckende Fragebogenaktion der SPD von März bis Juli 2017 (abgefragt wurde Miete oder Eigentum, Wohnungsgrößen, Ausstattung der Wohnungen und der Anlage, Bereitschaft zur Höhe der Kauf- oder Mietzahlung): 20 Rückmeldungen mit Schwerpunkt Eigentumswohnung
  • Antrag Ortsvorsteher 13. Oktober 2017 und einstimmiger Beschluss des Ortsbeirates vom 7. November 2017:

„Der Magistrat wird gebeten, im Wege einer Arrondierung weitere Baumöglichkeiten im Stadtteil Allendorf/Lahn für den Bedarf an quartierbezogenem Seniorenwohnen zu schaffen.“

                Auf Initiative von Bgm. Weigel-Greilich wurde noch ergänzt:

„Im Wege einer Arrondierung soll in der Verlängerung der Aubach die Möglichkeit für 3 bis 4 Ein- bzw. Zweifamilienhäuserbebauung geschaffen werden.“

  • Erörterungsgespräch mit Interessierten der Fragebogenaktion, den Initiatoren und der Bürgermeisterin Weigel-Greilich am 9. November 2017
  • Übergabe der Angelegenheit an die Stadt (auch die Namenslisten der Interessierten)
  • Ausschreibung der Stadt an Investoren mit Quote an sozialem Wohnungsbau (Dank an die damalige Bürgermeisterin Weigel-Greilich). 5 Bieter wurden angeschrieben.
  • Grundstücksvorlage des Magistrats am 22. Mai 2018 im nicht öffentlichen Teil des Ortsbeirats: detaillierte Darstellung des Ausschreibungsverfahrens und Diskussion um mögliche Umsetzung. Dabei Umbenennung des Projektes in „Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren“

Es wurde außerdem die Vereinbarung getroffen, dass nach dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung das Projekt in einer Ortsbeiratssitzung öffentlich vorgestellt wird. Einstimmige Beschlussfassung bei 1 Stimmenthaltung

  • Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 21. Juni 2018.
  • Öffentliche Vorstellung des Projektes in der Ortsbeiratssitzung am 14. August 2018 mit wiederum zahlreichen Besuchern/innen.
  • August 2018 Beginn der Protestaktion einer neugegründeten „Initiative Allendorf“, die eine Unterschriftenaktion mit Falschbehauptungen durchführte
  • Im August und September 2018 stellten die Fraktionen von SPD, FW und Bündnis90/Die Grünen die Falschbehauptungen der „initiative Allendorf“ öffentlich klar, nannten die Fakten und kritisierten den Stil des unsachlichen Protestes und der teilweise persönlichen Unterstellungen
  • Im Dezember 2018 wurden die Pläne für das Projekt „Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren“ ins Internet gestellt
  • Anfang 2019 wurde bei OB Dietlind Grabe-Bolz eine Möglichkeit der Vergabe der Sozialwohnungen bevorzugt aus Menschen mit Wohnberechtigungsschein vor allem aus der in der Nachbarschaft befindlichen Wohnbausiedlung „Aubach“ erreicht
  • Baubeginn am 13. Dezember 2019: 42 barrierefreie Wohnungen unterschiedlicher Größe, davon 30 Eigentumswohnungen in 3 Häusern und 12 Mietwohnungen für sozialen Wohnungsbau in einem weiteren Haus, und 1 Gemeinschaftspavillon. Spiel- und Bolzplatzverlegung, Parkplätze und Hochwasserschutzmaßnahmen.
  • Abgelehnte Klage eines Bürgers vor dem Verwaltungsgericht Gießen am 11. Februar 2020 (Az: 1 L 4883/19.GI), das feststellte, dass die Baugenehmigung der Stadt Gießen für das Projekt „Quartierbezogenes Wohnen in Allendorf/Lahn ohne Barrieren“ auch unter besonderer Würdigung des Hochwasserschutzes völlig korrekt war, aber der Kläger selbst bei seinem 2015 in unmittelbarer Nähe erstellten Haus keinen Beitrag zum Hochwasserschutz leistete. Auch wurde die angeblich durch das Projekt gefährdete Besonnung und Belichtung nicht anerkannt, weil sich die Wohnbauhäuser von 1973 noch sehr viel näher an des Klägers Wohnhaus befinden. Dass dem Kläger das Urteil, das man als klassisches Eigentor bezeichnen kann, nicht gefiel, kann man durchaus nachvollziehen. Auch dass er nun vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel versucht, hier noch etwas zu retten, kann man nachvollziehen. Aber bis heute ist keine Entscheidung des VwGH da.
  • Stellungnahme im Ortsbeirat am 25. August 2020 zum Projekt, zu den Klagen und zu einer absurden Plakataktion und mit der Aufforderung an den Kläger, „selbst bei seinem Bau für Hochwasserschutz zu sorgen“ und an die Stadt, „Ausgleichsmaßnahmen für den privaten Bau des Klägers aus dem Jahr 2015 nachträglich zu fordern.“

 

Fazit: Das Projekt entstand 2016 mit intensiver Bürgerbeteiligung und transparenter Darstellung. Eine Bürgerbefragung und eine öffentliche Debatte in mehreren Ortsbeiratssitzungen mit 3 einstimmigen Beschlüssen folgte. Das Projekt wurde stets in den Medien (Zeitungen und im Internet) öffentlich begleitet und sowohl der städtische Seniorenbeirat wie auch der Kreis-Seniorenbeirat, in denen das Allendorfer Projekt vorgestellt wurde, lobten dieses als wegweisend auch für andere Orte.

Ein Bedarf an barrierefreien Wohnungen, die es zuvor im Stadtteil Allendorf/Lahn nicht oder kaum gab, wird befriedigt, und dieses sowohl im Eigentumsbereich als auch im Bereich des sozialen Wohnungsbaus.

Die Wohnungen liegen sehr zentral mitten im Ort, ca. 200 m von 2 Bushaltestellen entfernt.

Der Bauplatz war deshalb geeignet,

  • weil es städtische Grundstücke waren und somit die Stadt Gießen beim Verkauf Bedingungen für die Nachfolgenutzung vertraglich festgelegt wurden,
  • weil durch Lage nach § 34 BauGB kein Bebauungsplan erstellt werden musste, und
  • wegen der zentralen Lage, denn Seniorinnen und Senioren gehören nicht an den Ortsrand, sondern mitten in den Ort.

Allendorf/Lahn tut etwas für die demografischen Herausforderungen!

Nachdem durch das Neubaugebiet „Ehrsamer Weg“, die Erweiterung von Kindergarten und Grundschule (die aber noch nicht beendet ist) viel für Familien und junge Menschen getan hat, wird mit diesem Projekt etwas für die ältere Generation getan:

Diejenigen,

  • die ihr ganzen Leben oder einen großen Teil davon in Allendorf/Lahn verbracht haben,
  •  in der Ortsgemeinschaft und in den Vereinen mitgewirkt haben,
  • die sich deshalb wünschen, gerne hier zu bleiben,
  • aber bequemer leben möchten.

Ich bin froh, dass wir gemeinsam dieses Projekt in eine finale Phase führen.

Herzlichen Dank an

  • Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, die sich vorbildlich des Beschlusses des Ortsbeirates zur Umsetzung annahm ebenfalls Schmähkritik ertragen musste
  • Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die mit Sozialamt und Wohnbau GmbH für die quartierbezogenen Ausnahmeregelung in den Vergabekriterien für die Sozialwohnungen sorgte und sich über ihr Rechtsamt mit den verwaltungsgerichtlichen Klagen auseinandersetzen muss
  • Architekt Felix Feldmann, der bei den Planungen sich an en an den Vorgaben des Ortsbeirates orientierte
  • Und schließlich Geschäftsführer Daniel Beitlich vom Bauträger Revikon GmbH, der das Projekt überhaupt erst verwirklicht und sich ebenfalls mit der verwaltungsgerichtlichen Klage auseinandersetzen muss.

Ich danke aber auch all meinen Mitstreiter/innen, die wegen der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen heute leider nicht hier sein können:

  • von der Sozialdemokratischen Partei hier in Allendorf/Lahn für die Entwicklung dieses Projektes und das Aushalten der Kritik
  • den Ortsbeiratsmitgliedern von FW und Bündnis 90/Die Grünen, die mit uns für eine sachliche Debatte sorgten und in der harten Kritikphase 2018 Rückendeckung gaben
  • bei den vielen Allendorferinnen und Allendorfern, die ebenfalls während dieser Phase aufmunternd hinter unseren Ideen standen
  • und der Presse, die dies Thematik von Anfang an sachlich und transparent begleitete